Impulse für eine gerechte Umweltbildungspraxis
Das pädagogische Praxisfeld der Umweltbildung ist vielfältig und divers. Von Naturverbindungsarbeit über Klimabildung hin zu Natur- und Waldpädagogik bietet es eine Vielzahl von verschiedenen Ansätzen, die eine Sache gemeinsam haben: Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Zusammenhänge von Umwelt, Mensch und Gesellschaft näher bringen.
Was zunächst unpolitisch wirkt, ist allerdings mit vielen politischen Fragen nach Teilhabe, Inklusion, Diversität und Macht verbunden. Einerseits nutzen demokratiefeindliche und verschwörungsideologische Gruppierungen Themen der Umweltbildung und Naturverbindung für ihre politischen Zwecke. Andererseits können auch in demokratischen Formaten der Umweltbildung bewusst oder unbewusst Diskriminierungen reproduziert werden, Ausschlüsse stattfinden oder hohe Hürden an die Teilnahme gelegt werden.
Diese Online-Veranstaltungsreihe möchte in verschiedenen interaktiven Workshops einzelne Aspekte aufgreifen und Ansätze diskutieren, wie sich die pädagogische Praxis in der Umweltbildung gegen Vereinnahmung wehren und gleichzeitig das Potenzial für eine diversitätssensible Gestaltung von Bildungsformaten nutzen kann – mit dem Ziel einer kritischen Umweltbildung.
Es werden fünf verschiedene Workshops stattfinden, zu denen ihr euch einzeln anmelden könnt. Um die Interaktion zu gewährleisten, möchten wir maximal 30 Teilnehmende zulassen.
Für die Teilnahme gibt es die Möglichkeit, sich ein Ticket über den jeweiligen Link zu buchen.
01.09.2026, 15:00-17:00 Uhr
Kritische Umweltbildung - Esoterische Weltbilder und antidemokratische Tendenzen
Wie können wir Umweltbildung so gestalten, dass sie nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich verantwortungsvoll ist? Im ersten Workshop unserer neuen Reihe setzen wir den Fokus auf grundlegende Fragen einer kritischen Umweltbildung – und auf die Herausforderungen, die sich durch das Aufkommen esoterischer und antidemokratischer Strömungen in naturpädagogischen Kontexten ergeben.
Der Workshop bietet einen orientierenden Einstieg ins Thema: Einführung in esoterische Weltbilder, Überblick über antidemokratische Tendenzen in Natur- und Selbsterfahrungsformaten, Einordnung gesellschaftlicher Hintergründe sowie erste Impulse für eine kritische, handlungsfähige Praxis.
Ziel ist es, für problematische Narrative und Ästhetiken in der Umweltbildung zu sensibilisieren und eine gemeinsame Grundlage für die weitere Auseinandersetzung in der Reihe zu schaffen. Neben kurzen Impulsen wird es Raum für Diskussion, Reflexion und Austausch geben.
Referent*innen: Christin Wendebaum und Yannick Passeick (FARN)
08.09.2026, 15:00-17:00 Uhr
Naturverbindung für alle? - Dekoloniale Perspektiven auf naturpädagogische Praxis
Vorstellungen von Natur, Wildnis und Naturverbundenheit sind keine universellen Konzepte, sondern durch koloniale Geschichte und strukturellen Rassismus geprägt. Der Workshop schärft den Blick für Ausschlüsse in Sprache, Methoden und Settings der Naturpädagogik und gibt Impulse für eine diversitäts- und machtkritische Praxis.
Referent: Anthony Owosekun ist Sozialarbeiter und Erlebnispädagoge. Seit mehr als zehn Jahren begleitet er junge Menschen im Bildungsbereich. Er gründete 2019 die gemeinnützige Organisation EMPOCA, die Schwarze Kinder und Jugendliche mit der Natur verbindet, und ist seit 2022 Mitgründer von DECONSTRUCT, einer Online-Weiterbildungsplattform für die Rassismus-Sensibilisierung psychosozialer, pädagogischer und medizinischer Fachkräfte.
15.09.2026, 15:00-17:00 Uhr
Geschlechtergerechtigkeit in der Umweltbildung, Schwerpunkt Wildnispädagogik
In den üblichen Fortbildungen zu den Lernfeldern Wildnis-, Natur-, Erlebnis- und Waldpädagogik, sowie fachverwandten Ausbildungen, werden angehende Fachkräfte bisher nicht in Bezug auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit sensibilisiert. Hieraus ergeben sich in der Praxis vieler Umweltbildungsveranstaltungen Probleme, unter anderem durch Diskriminierung und die Weitergabe stereotyper, einengender Rollenbilder rund um „Männlichkeit und Weiblichkeit“, binärem Geschlechterdenken und Heteronormativität. Wir erkunden gemeinsam, warum das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der pädagogischen Praxis so wichtig ist und was Fachkräfte der Umweltbildung konkret tun können, um ein diskriminierungssensiblere Lernatmosphäre zu schaffen. Des Weiteren „räumen wir auf“ mit einigen hartnäckigen Missverständnissen, Irrglauben und Pseudo-Biologismen, die sich insbesondere in wildnispädagogischen Kreisen rund um das Thema Geschlecht, Rollenbilder, vemeintlichen „energetischen Polen" und Beziehungen halten.
Referentin: Eva Densing
Eva ist Biologin (M.Sc. Biologische Diversität, Ökologie und Evolution) und Wildnispädagogin. In ihrer Tätigkeit als Wildnispädagogin hat sie neun Jahre in der wildnispädagogischen Szene gelernt und sieben Jahre selbst gelehrt, bevor sie diesem Lernfeld aufgrund von eigenen Diskriminerungserfahrungen den Rücken kehrte. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den Themen geschlechterreflektierter Pädagogik, Geschlechtergerechtigkeit, Empowerment von queeren Menschen, kultureller Aneignung und Dekolonisierung hat sie die Initiative naturally equal ins Leben gerufen, um eine Brücke zwischen den wundervollen und wertvollen Aspekten wildnispädagogischen Lernens und einer zeitgemäßen politischen Bildung zu schaffen.
23.09.2026, 15:00-17:00 Uhr
Bunt statt braun – Natur als vielfältiger Lebensraum
Ankündigungstext ist unterwegs
Referentin: Sophie von Redecker
Sie verbindet in ihrer Forschung postkoloniale Theorie, queere und dekoloniale Ansätze mit Landwirtschaft.
14.10.2026, 15:00-17:00 Uhr
Spiritualität als Unterstützung in Krisenzeiten
In dem Workshop wollen wir einerseits den Begriff kritisch beleuchten und reflektieren, wie er für kulturelle Aneignung stehen kann und für eine patriarchale, lebensfeindliche und damit auch menschenfeindliche Agenda benutzt wird. Andererseits wollen wir zusammen einen geschützten Raum eröffnen, in dem wir über unsere Spiritualität sprechen können, über Fragen und eigene Erfahrungen. Wir wollen erkunden, wie vielfältig unsere Zugänge und Erfahrungen damit sind. Ebenso bieten wir erste Impulse, um auch jenseits definierter Glaubenssysteme und fertiger Konstrukte einen eigenen Zugang finden zu können (nicht zu müssen). Wir wollen konkrete Möglichkeiten erfahren, die Verbundenheit mit allem Lebendigen zu stärken und sich in einem Großen und Ganzen aufgehoben fühlen zu können, für dessen Erhalt wir uns einsetzen.
Referentinnen: Claritta Martin und Ines Walter (Psychologists/ Psychotherapists for Future e.V.)