Fachtag am 15. April in Augsburg
Angesichts der wachsenden Bedeutung von Naturerfahrungen, Wald- und Wildnispädagogik sowie verbreiteter Vorstellungen von „Naturverbundenheit“ lädt der Fachtag dazu ein, bekannte Ansätze zu hinterfragen und neue Perspektiven kennenzulernen.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Vielfalt, Teilhabe und Verantwortung in der Naturbildung. Gemeinsam schauen wir auf Themen wie Rassismus, Kolonialismus, Antisemitismus und Queerfeindlichkeit und darauf, wie sich diese – oft unbemerkt – auch in naturpädagogischen Konzepten, Bildern und Erzählungen widerspiegeln können. Zugleich geht es darum, Naturverbindung als etwas Gestaltbares zu begreifen: offen, solidarisch und stärkend für unterschiedliche Lebensrealitäten.
Mit praxisnahen Impulsen und Beispielen aus der pädagogischen Arbeit, die Mut machen, eigene Zugänge weiterzuentwickeln und neue Wege auszuprobieren, öffnet der Fachtag einen Raum für Austausch darüber, wie eine kritische, inklusive und emanzipatorische Praxis in der Umwelt- und Naturbildung aussehen kann. Dabei wird auch in den Blick genommen wie mit herausfordernden Deutungen von Natur, etwa aus esoterischen oder verschwörungsideologischen Kontexten, sensibel und doch abgrenzend umgegangen werden kann.
Neben kurzen Inputs erwarten die Teilnehmenden Workshops und moderierte Gesprächsräume, die zum Fragenstellen, Teilen von Erfahrungen und gemeinsamem Lernen einladen. Der Fachtag versteht sich als Ort der Vernetzung, der Inspiration und der kollegialen Unterstützung.
Für wen ist der Fachtag?
Die Veranstaltung richtet sich an pädagogische Fachkräfte und Multiplikator*innen aus der Umwelt-, Wildnis-, Natur- und Erlebnispädagogik, die Lust haben, ihre Arbeit in und mit der Natur gemeinsam zu reflektieren und weiterzudenken.
Wann und wo findet der Fachtag statt?
Der Fachtag findet am 15. April von 10 bis 17 Uhr in Augsburg statt. Die genaue Adresse teilen wir nach der Anmeldung mit.
Was erwartet mich da?
10:00 - 10:15 Uhr Begrüßung
10:15 - 11:00 Uhr Vortrag: "Wenn Naturbildung verletzt – Über koloniale Spuren und stille
Gewalt im Grünen" (Dodo)
11:15 - 11:30 Uhr Moderierte Austausch & Vernetzungsrunde
12:30 - 13:30 Uhr Mittagspause mit Verpflegung vor Ort
13:30 - 16:00 Uhr Workshopphase
Workshop 1: „Geschlechtergerechtigkeit in der Umweltbildung:
Schwerpunkt Wildnispädagogik" (Eva Densing/naturally equal)
Workshop 2: „Botanische Gärten und ihr koloniales Erbe – Rundgang
durch den Botanischen Garten Augsburg“ (Anna Kolossova)
Workshop 3: "Dekoloniale Naturpädagogik"
(Anthony Owosekun, EMPOCA)
16:20 - 16:45 Uhr gemeinsame Auswertung & Ausblick
16:45 Uhr Ende der Veranstaltung
Wo kann ich mich anmelden?
Hier geht es zur Anmeldung
Die Teilnahme ist kostenfrei. Wir bitten allerdings um eine verbindliche Zusage.
Programm
Vortrag: Wenn Naturbildung verletzt – Über koloniale Spuren und stille Gewalt im Grünen
Naturerfahrungen können heilen, verbinden und stärken. Doch auch in der Natur- und Umweltpädagogik wirken koloniale Bilder, gesellschaftliche Ungleichheiten und stereotype Zuschreibungen fort – oft leise und unbemerkt.
Der Vortrag zeigt anhand konkreter Beispiele, wie solche Dynamiken entstehen, warum sie relevant sind und wie Umweltbildung Räume schaffen kann, die verbinden statt auszugrenzen.
Dodo ist Bildungsreferent*in für Klimagerechtigkeit, Dekolonialität und Rassismuskritik. Co-Autor*in der Broschüre "Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand."
Workshop 1: Geschlechtergerechtigkeit in der Umweltbildung: Schwerpunkt Wildnispädagogik
In den üblichen Fortbildungen zu den Lernfeldern Wildnis-, Natur-, Erlebnis- und Waldpädagogik, sowie fachverwandten Ausbildungen, werden angehende Fachkräfte bisher nicht in Bezug auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit sensibilisiert. Hieraus ergeben sich in der Praxis vieler Umweltbildungsveranstaltungen Probleme, unter anderem durch Diskriminierung und die Weitergabe stereotyper, einengender Rollenbilder rund um „Männlichkeit und Weiblichkeit“, binärem Geschlechterdenken und Heteronormativität. Wir erkunden gemeinsam, warum das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der pädagogischen Praxis so wichtig ist und was Fachkräfte der Umweltbildung konkret tun können, um eine diskriminierungssensiblere Lernatmosphäre zu schaffen. Des Weiteren „räumen wir auf“ mit einigen hartnäckigen Missverständnissen, Irrglauben und Pseudo-Biologismen, die sich insbesondere in wildnispädagogischen Kreisen rund um das Thema Geschlecht, Rollenbildern, vemeintlichen „energetischen Polen" und Beziehungen halten.
Eva Densing, Biologin (M.Sc. Biologische Diversität, Ökologie und Evolution) und Wildnispädagogin
Workshop 2: Botanische Gärten und ihr koloniales Erbe – Rundgang durch den Botanischen Garten Augsburg
Botanische Gärten gelten als Wohlfühlorte. Hier können sich Menschen der grauen Stadtkulisse entziehen und sich in sanftem Grün erholen. Weniger bekannt ist, dass diese Orte auch Teil des kolonialen Erbes sind und so mit dessen gewaltvoller Geschichte verbunden sind.
In dem Workshop setzen wir uns auf vielfältige Weise mit botanischen Gärten und ihrer Geschichte, aber auch allgemein mit kolonialen Kontinuitäten im Kontext von Botanik und Natur auseinander. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Was war und ist die Idee botanischer Gärten? Wie und woher kamen die Pflanzen dorthin? Welches Wissen wird dort präsentiert und welches nicht? Welche Sprache und Begrifflichkeiten werden genutzt und welche Machtverhältnisse sowie Perspektiven verfestigt?
Anna Kolossova (sie/ihr), Trainerin der politischen Bildung, BNE-Referentin und Naturpädagogin