Online-Veranstaltungsreihe
Naturverbundenheit, Achtsamkeit, Selbstversorgung oder „ursprüngliche“ Lebensweisen sind für viele Menschen Teil eines bewussten, nachhaltigen Lebens. Gleichzeitig werden genau diese Themen in sozialen Medien zunehmend von verschwörungsideologischen und antidemokratischen Milieus aufgegriffen, zugespitzt und ideologisch aufgeladen. Das Internet wirkt dabei als zentraler Radikalisierungsmotor – von frühen rechtsextremen Strategien bis zu heutigen Influencer*innen-Formaten.
Die Veranstaltungsreihe beleuchtet, wie rechtsextreme Naturnarrative, Klimawandelleugnung und rechtspopulistische Einstellungen zum Klimawandel mit Gesundheitsmythen, Verschwörungserzählungen und Männlichkeitsbildern aus Survival-Szene, Manosphere und Prepper-Milieus verschmelzen. Anhand von Beispielen aus sozialen Medien – von Rapé über Rohkost-Mythen bis hin zu „Selbstermächtigungs“-Narrativen – wird unter anderem gezeigt, wie Desinformation wirkt und warum sie so anschlussfähig ist.
Ziel der Vortragsreihe ist es, Umweltbildner*innen darin zu stärken, problematische Inhalte und Vereinnahmungen frühzeitig zu erkennen, einzuordnen und ihnen in der Bildungsarbeit kompetent zu begegnen.
Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Bitte meldet euch für jede Veranstaltung einzeln an – die Zugangsdaten erhaltet ihr nach der Anmeldung. Bitte überprüft auch euren Spam-Ordner. Die Veranstaltungen werden nicht aufgezeichnet.
23. Februar 2026, 15:00 – 16:30 Uhr
Vom Schutz der Heimat zum Mythos Wald: Extrem rechte Erzählungen über Natur und Umwelt
„Heimat“, „Natur“ und „Wald“ gelten als schützenswerte Güter – doch in extrem rechten Erzählungen werden sie ideologisch aufgeladen und politisch missbraucht. Der Vortrag zeigt, wie aus Naturschutz ein völkischer Mythos wird, welche historischen und aktuellen Narrative dahinterstehen und wie sie bis heute in Umwelt- und Klimadebatten wirken. Anhand konkreter Beispiele wird deutlich, warum diese völkischen Deutungen so anschlussfähig sind – und welche Herausforderungen sie für Umweltbildung und demokratische Bildungsarbeit darstellen.
Yannick Passeick ist Fachreferent für Rechtsextremismusprävention und politische Bildung bei FARN.
02. März 2026, 15:00 – 16:30 Uhr
Von Rapé bis Rohgang: Was tun gegen Gesundheitslügen im Netz?
In diesem Workshop der Verbraucherzentralen geht es um Gefahren von Desinformation im Gesundheitsbereich. Anhand vieler Beispiele aus dem Projekt "Faktencheck Gesundheitswerbung" lernen wir, wie wir Aussagen kritisch prüfen und gegen Fakes und Schwurbeleien vorgehen können.
Gesa Schölgens, Projektleiterin "Faktencheck Gesundheitswerbung" (Gemeinschaftsprojekt der Verbraucherzentralen NRW und Rheinland-Pfalz)
16. März 2026, 18:00 – 19:30 Uhr
Internet und soziale Medien als Radikalisierungsmotor: Rechtsextreme Strategien im Netz von damals bis heute
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Entwicklung rechtsextremer Aktivitäten im digitalen Raum. Im Mittelpunkt stehen sowohl die Strategien des Spektrums, inklusive der Verbreitung von Verschwörungsideologien und Desinformation, als auch die Rolle der Plattformen, Games und Apps und deren Betreiber. Dabei werden sowohl alte als auch neue Strategien der Szene beleuchtet, von klassischen Rekrutierungs- und Propagandamustern bis hin zu zeitgemäßen Formen digitaler Mobilisierung. Ein besonderer Fokus liegt auf aktuellen Phänomenen: dem Auftreten junger aktionsorientierter Gruppen, Social-Media-Trends und den Übergängen von digitaler Radikalisierung zu rechtsterroristischen Gewalttaten.
Karolin Schwarz ist Autorin, Trainerin und Beraterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit Rechtsextremismus, Rechtsterrorismus, Desinformation und der Schnittstelle zwischen Internet und Gesellschaft. In der Vergangenheit hat sie als Journalistin, Faktencheckerin und als Beraterin für große Social-Media-Plattformen gearbeitet und hat sowohl im Bundestag als auch im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle als Sachverständige ausgesagt. Im Februar 2020 erschien ihr Buch "Hasskrieger: Der neue globale Rechtsextremismus“ im Verlag Herder.
17.März 2026, 15:00 – 16:30 Uhr
Naturbeherrschung und Geschlecht, oder: echte Männer trinken Rohmilch
Für den faschistischen Mann erscheinen die Moderne und ihre Errungenschaften als Bedrohung. Den Rückzug sucht er in der Natur: Männer-Erfahrung im deutschen Wald um sich abzuhärten, Konsum von unverarbeiteten Lebensmitteln, Ablehnung moderner Medizin. Parallel romantisieren rechtsradikale "Tradwives" eine essentialistische, naturverbundene Weiblichkeit.
Was Ernährung mit Faschismus zu tun hat, wieso das antimoderne Natur-Verständnis Ausdruck reaktionärer Herrschaftsfantasien und Geschlecht doch keine "natürliche" Angelegenheit ist, erklärt die Autorin Veronika Kracher anhand von Beispielen aus der Manosphere und Tradwife-Bewegung in diesem Vortrag.
Veronika Kracher ist als Autorin, Publizistin und Bildungsreferntin tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Antifeminismus, Online-Radikalisierung und Rechtsextremismus. 2020 erschien ihr Buch "Incels - Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults", 2026 das Werk "Bitch Hunt - Warum wir es lieben, Frauen zu hassen".
23. März 2026, 15:00 – 16:30 Uhr
Klima(schutz) und Demokratiedistanz - empirische Befunde aus Bevölkerungsbefragungen
Natur, Umwelt und Klima sind zentrale, zugleich ambivalente Themen im Feld Rechtsaußen. Wie stehen die Menschen in Deutschland zu Klimawandel und Energiewende und wie hängt dies mit Demokratiedistanz bis hin zu rechtsextremen Einstellungen zusammen? Der Input berichtet über Befunde aus der FES Mitte-Studie 2024/25 und weiteren Bevölkerungsbefragungen und wirft dabei auch einen Blick auf den Einfluss haben Krisenwahrnehmung und Spiritualität.
Beate Küpper ist Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein.
Die Veranstaltungsreihe ist Teil unseres Projekts KUBI - Kritische Umweltbildung: Esoterische Weltbilder und antidemokratische Tendenzen.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.