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Preppen – Individuelle Krisenvorsorge oder rechtsextreme Vorbereitung auf den Systemzusammenbruch?

Was ist Preppen?

Preppen leitet sich ab aus dem Englischen „to be prepared“ und heißt auf Deutsch „vorbereitet sein“. Es bezeichnet verschiedene, meist individuelle oder in Kleingruppen getroffene Vorsorgemaßnahmen für einen Krisenfall.

Preppen kann beispielsweise bedeuten:

  • Vorräte anlegen: Für den plötzlichen Ausfall von Strom, Wasser oder Lieferketten legen Prepper*innen angemessene Vorräte an. Das gilt als Sicherheitsvorsorge und wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfohlen.
  • Survival-Skills in der Natur ausbauen: Prepper*innen üben, sich zu verstecken und zu schützen, Tiere zu erlegen, essbare Pflanzen zu erkennen und Wasser zu filtern, Feuer zu machen sowie einfache Schutzbehausungen zu bauen.
  • Bunker bauen: Hier spielen finanzielle Mittel eine bedeutende Rolle, denn Schutzbunker können sich nicht alle leisten. Wenige Wohlhabende nutzen diese Art des Preppens.

 

Wann ist Preppen problematisch?

Preppen als Vorbereitung auf den Tag „X“, also auf den Zusammenbruch des Systems oder auf eine bevorstehende Apokalypse kann problematisch sein:

Zugehörigkeit durch Nützlichkeit: In der Vorstellung der Prepperszene gehen diese Kollapsmomente mit dem Kampf um überlebenswichtige Ressourcen und somit mit der Bildung von Zugehörigkeiten einher. Dabei werden diejenigen, die auf der eigenen Seite kämpfen, von denen unterschieden, die zu schwach sind, um das „Wir“ zu beschützen.

Militarisierung: Für die Demonstration der Stärke und für den Kampf ums Überleben setzt die Prepperszene auch auf die entsprechende technische Ausrüstung an Schuss-, Hieb- und Stichwaffen, weshalb sich Teile der Szene zunehmend militarisieren.

Misstrauen: Dieses Krisennarrativ bedient auch die Erzählung, dass es bei einem Systemzusammenbruch direkt zu Plünderungen und Vandalismus kommt und man niemandem trauen könne. Generelles Misstrauen – sowohl in den Staat als auch in die Mitmenschen – wird geschürt.

Traditionelle Geschlechterbilder: In der Prepperszene werden überholte Vorstellungen von Männern und Frauen vermittelt. Vor allem das Bild des Cis-Mannes zeigt eine modernisierte Form traditioneller Männlichkeit. Die Erwartung an ihn: mental und körperlich stark zu sein, sich durchzubeißen und Herausforderungen anzunehmen.

Preppen bewegt sich daher mitunter in Grauzonen, die Geschlechterbilder und Zugänge zu Wissen vermitteln, die eine Offenheit und Anschlussfähigkeiten für rechtsextreme Narrative mitbringen.

 

Wo finden sich rechtsextreme Überschneidungen?

Diese Ansätze des Preppens sind anschlussfähig für rechtsextreme Narrative:

  • Zugehörigkeit durch völkische Kollektive: Solidarität und Zugehörigkeit wird mit vermeintlicher Ethnie und Herkunft verknüpft.
  • Dystopische Begeisterung und Ablehnung des demokratischen Staates: Erzählungen vom Systemzusammenbruch sind anschlussfähig an das Narrativ rechtsextremer Akzelerationist*innen[LK5] , die den Niedergang einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft wünschen und dies auch mit gewaltsamen, terroristischen Taten versuchen, herbeizuführen.
  • Soldatische Männlichkeit: Fokus auf starker Männlichkeit, während Angst und Unsicherheit als schwach und damit unmännlich abgewertet werden.

Beispiele von rechtsextremen Akteur*innen im Bereich Preppen:

Rechtsextreme Zeitschriften – In Zeitschriften wie Compact, NS Heute, Aufgewacht und Zuerst! sind Krisennarrative eng verknüpft mit Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungserzählungen.

Krisen werden heraufbeschworen, ständige Wachsamkeit, Disziplin und Misstrauen wird empfohlen. Wehrhaftigkeit und Bewaffnung wird mit dem Schutz der Nation & des Eigenen begründet und sich positiv auf die militante Prepperszene bezogen.

 

Hannibal-Netzwerk: paramilitärisches Prepper-Netzwerk, u.a. rechtsextreme Gruppe „Nordkreuz“ und Uniter e.V:

Nordkreuz - neben Vorratsdepots und Notstromaggregaten hatte die Gruppe Umsturzpläne für Tag X und dafür vorbereitete Mordlisten von Politiker*innen, Flüchtlingshelfer*innen und Menschen aus dem politisch linken Spektrum.

Uniter e.V. – Verein, der sich mit Schießtrainings explizit an Soldaten, Sicherheitskräfte und Polizisten richtete. Er ist seit 2020 formell aufgelöst, besteht jedoch vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuftes Netzwerk laut Medienberichterstattung unter dem Deckmantel des Kaffeeversands „Black Ops Coffee-Community“ eingeschränkt fort.

 

Wie geht es anders? – Krisenvorsorge solidarisch!

Krisenvorsorge geht auch solidarisch. Von einem humanistischen Menschenbild ausgehend zeigen Menschen im Krisenfall Mitgefühl, unterstützen sich gegenseitig und sind fähig Ressourcen gerecht zu verteilen. Zusammen geht vieles einfacher als im Gegeneinander.

So plädieren die schwedischen Aktivist*innen Aktivisten von Preppa Tillsammans für eine gemeinsame nachbarschaftliche Krisenvorsorge. Teile der deutschen Klimabewegung sehen darin ein neues Handlungsfeld, um dem Erstarken der (extremen) Rechten und der Desillusionierung angesichts der Klimakrise entgegenzutreten. Zwei Artikel dazu sind unter den Links zu finden.

 

Quellen/Links:

https://www.nf-farn.de/links-preppen

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