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Survival - unpolitisches Hobby oder politische Praxis?

Wofür steht Survival?

Survival ist Englisch für „Überleben“ und beschreibt eine Reihe an Kenntnissen und Fertigkeiten, um in Notsituationen, meist in der Natur, zu überleben. Diese können gelernt und trainiert werden. Vom Notfall-Snack, der auf der Wandertour nicht fehlen sollte, über die Kenntnisse, eine Nacht im Wald ohne Ausrüstung gut zu verbringen, Pflanzenbestimmung zur Nahrungsaufnahme bis hin zur Vorbereitung auf den Zusammenbruch des Systems ist unter diesem Begriff vieles zu finden.

Survival damals:

Was heute in der westlichen Welt Survival genannt wird, hat verschiedene Ursprünge:

  • In der Jugendbewegung des frühen 20. Jahrhunderts (Wandervögel, bündische Jugend, Pfadfinder*innen): Wandern, Fahrten, gemeinsames Naturerleben
  • Im Militär: Überlebenstraining in feindlichem und unbekanntem Terrain
  • Im Expeditionswesen der Kolonialmächte: Kartierung und Erkundung vermeintlich unberührter Gebiete
  • In der Aneignung des Wissens indigener Gemeinschaften: Erkenntnisse über regionale Flora und Fauna

Survival heute:

Seit einigen Jahren erlebt Survival eine enorme Beliebtheit durch Videoformate wie die von Bear Grylls oder 7 vs. Wild. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie haben die Kontaktbeschränkungen zu einem Boom an Outdoor-Aktivitäten und dem Konsum von Videoformaten geführt, und es ist ein großer Markt an Ausrüstungsgegenständen und Kursen entstanden. Die Gegenstände und Kursinhalte sind zwar eigentlich nicht neu, aber die Benennung als Survival oder Bushcraft (Handwerken in der Natur) sorgt für eine große Verbreitung.

Wann ist Survival problematisch?

  • Militarismus: Manche Kurse oder Formate sind stark militaristisch ausgelegt und betonen die Notwendigkeit, sich auf einen „Tag X“, den Zusammenbruch des Systems der Bundesrepublik Deutschland vorzubereiten. In diesem Krisenfall würde das darwinistische Recht des Stärkeren gelten und die Zivilisation falle in einen Naturzustand zurück. In extrem rechten Kreisen der Prepper- und Reichsbürgerszene wird sogar aktiv auf diesen Zusammenbruch hingearbeitet.
  • Geschlechterrollen: Problematisch wird Survival auch, wenn traditionelle Geschlechterverständnisse als naturgegeben dargestellt werden. Der starke und soldatische Mann, der souverän im Wald zurechtkommt und als Einzelgänger oder Versorger für die Familie romantisiert wird. Die weiblichen Bushcraft- und Survival-Influencerinnen zeichnen ebenfalls eine modernisierte Form traditioneller Weiblichkeit: Die Gleichzeitigkeit einer Affinität zu Outdoor-Aktivitäten und eines starken Bekenntnisses zur Rolle als Mutter und zur Sorgearbeit in der Familie, die im Zweifel immer Priorität vor anderen (beruflichen) Aufgaben hat.
  • Kulturelle Aneignung: Wenn indigene Rituale und Praktiken ohne angemessene Kennzeichnung und Wertschätzung genutzt werden, handelt es sich um kulturelle Aneignung und reproduziert möglicherweise rassistische Denkweisen und Strukturen.

Diese Merkmale können anschlussfähig für antidemokratische Akteur*innen sein, welche über Survival, Bushcraft und Naturliebe ihre Ideologie verbreiten wollen.

Beispiele für rechtsextreme Akteur*innen:

Sebastian Schmidtke – Betreiber eines Outdoor- und Survival-YouTube-Kanals, Mitglied in der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (ehem. NPD) und Betreiber eines Shops von Hieb- und Stichwaffen bis 2025 – dann wurde ihm der Vertrieb behördlich untersagt. Zuvor wurde Schmidtke mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung und Volksverhetzung verurteilt.

Christian Illner – Betreiber eines Outdoor YouTube-Kanals– Neben eher humorvollen, locker wirkenden Wanderungen, positioniert sich er in seinen Aussagen und Videos klar rechtsextrem. Er ist in verschiedene neurechte Kreise vernetzt und arbeitet mit der Identitären Bewegung und der AfD zusammen.

Kurz-Checkliste für Angebote im Survival- und Outdoorbereich:

Du hast Lust auf Survival- und Outdoor, möchtest dabei aber in jedem Fall eine demokratische, menschenfreundliche Gruppe finden? Dann können dir diese Kriterien helfen, um das Angebot zu scannen:

  • Gibt es eine Offenheit für diverse Geschlechter- und Rollenbilder?
  • Wird Wert auf Gemeinschaft, Vertrauen und Zusammenarbeit gelegt statt auf Vereinzelung und Jeder-gegen-Jeden?
  • Sind alle Körperbilder und Menschen unabhängig von zugeschriebener oder tatsächlicher Herkunft, Religion oder Aussehen willkommen?
  • Wird Freude und Selbstbewusstsein vermittelt statt Angst und Misstrauen?
  • Hast du geprüft, ob Anbieter*innen auch in rechten oder rechtsextremen Kreisen zu finden sind? 

Quellen/Links

https://www.nf-farn.de/links-survival

Links

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