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Feindbild Windrad

02.09.2026

Was Konservative, Liberale und Rechtsextreme eint

An einem regnerischen Tag Ende Februar spricht Björn Höcke bei den Externsteine über dort geplante Windräder: „Weil die Verspargelung unserer Landschaft […] uns auch entzweien soll, uns entfremden soll von der Natur, in der wir wurzeln.“ Für Höcke bilden Landschaft und Volk eine untrennbare Einheit. Windräder sind für ihn fremd, also eine Gefahr für die Landschaft – und für das Volk.

Aber auch weniger völkisch eingestellte Teile der Partei lehnen Windräder ab. Schließlich ist die AfD der parlamentarische Arm der Klimawandelleugner*innen. Sie setzt auf fossile Energie, fordert die Rücknahme des Kohleausstiegs und will verstärkt Kernkraft in Deutschland nutzen. Windräder sind für sie das Symbol einer Politik, die sie ablehnt.

Wichtiger noch: Die AfD ist eine Empörungspartei, sie lebt von der Zuspitzung und Entrüstung. Windräder bleiben ein emotionales Thema, das die Partei instrumentalisiert. Sie streut Desinformation und sieht sich als Stimme eines „Volkswillens“ gegen eine angeblich elitäre Klimapolitik. Sie nutzt die Diskussion um Windräder, um rechtspopulistisches und völkisches Gedankengut zu verbreiten.

Friedrich Merz ist kein Rechtsextremist und leugnet auch nicht den menschengemachten Klimawandel. Windräder lehnt er aber ebenfalls ab. Als CDU-Kanzlerkandidat sagte er im November 2024 in einer Talkshow: „Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir etwas richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen.“ Er sieht Windräder als „Übergangstechnologie“ und setzt auf Kernfusion – deren Nutzbarkeit weiterhin unklar ist.

Diese Haltung bezeichnen Wissenschaftler*innen vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft als Klimaregression. Damit ist gemeint: Die Ablehnung von Klimaschutz eint liberale, konservative und rechtsextreme Milieus. Denn der Klimawandel ist nicht nur eine ökologische oder technische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Die Staaten des Globalen Nordens haben historisch deutlich mehr zum Klimawandel beigetragen als Staaten des Globalen Südens, die dessen Folgen besonders stark zu spüren bekommen. Auch innerhalb Deutschlands ist die Verteilung ungleich: Wohlhabendere Gruppen verursachen deutlich höhere Emissionen, ärmere Menschen tragen die Lasten der Klimafolgen oft stärker. Laut Oxfam sind wohlhabende Menschen in Deutschland für etwa 15-mal so viele CO2‑Emissionen verantwortlich wie ärmere Haushalte.

Technik allein genügt nicht, um dem Klimawandel zu begegnen. Auch die soziale Ungleichheit muss verringert werden. Das bedeutet, dass Gruppen, die bisher vom fossilen Geschäfts- und Gesellschaftsmodell profitiert haben, ihre Vormachtstellung aufgeben müssen.

Dem widersetzen sich oben aufgeführte Milieus und verbreiten Desinformation: Sie behaupten, Klimaschutz würde das Land in den wirtschaftlichen Ruin treiben, in eine „ökosozialistische Diktatur“ führen oder sei überflüssig, weil künftige Technologien das Problem lösen würden. Das Ziel ist klar: Klimaschutz verzögern oder gar verhindern – und dabei dienen Windräder immer wieder als Feindbild. Doch solche falschen und populistischen Darstellungen untergraben das Vertrauen in Medien und demokratische Institutionen, sie legitimieren rechtsextreme Positionen und bremsen dringend nötigen Klimaschutz.

Dabei stammte 2025 über die Hälfte des in Deutschland erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Windenergie leistete dabei den größten Beitrag – und ist weiterhin am günstigsten. Zudem zeigen verschiedene Umfragen, dass die Akzeptanz von Windrädern steigt, sobald Anlagen im direkten Umfeld errichtet wurden. Windräder sind ein wichtiger Baustein der Energiewende und durchaus akzeptiert – ganz gleich was völkische Demagogen oder liberal-konservative Verzögerer behaupten. Deren fossil-populistischen Erzählungen gilt es entgegenzutreten. Nicht nur für mehr Klimaschutz, sondern auch im Interesse des demokratischen Zusammenhalts.

Florian Teller, Referent für Kommunikation bei FARN

Der Artikel erschien zuerst in der NATURFREUNDiN 3-26

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