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  1. Startseite

Denkmäler gegen Windmühlen

Wie die extreme Rechte versucht, nationalistische Monumente gegen Klimaschutz auszuspielen

24.06.2026

Am 21. Juni 2026 führten ein paar Aktivisten der Identitären Bewegung (IB) eine Banneraktion am Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald durch, bei der eine Person in Gewahrsam genommen wurde. Ziel der Aktion war es, gegen den Bau von Windkraftanlagen in der Nähe zu demonstrieren. In ihrem Telegram-Kanal begründeten sie die Aktion mit der klassischen rechtsextremen Parole „Heimatschutz ist Umweltschutz“ und führten die bei extrem rechten Windkraftgegner*innen üblichen Scheinargumente von gefährdeten Vogelarten und einer nicht näher definierten „Naturzone“ an. Sollte damit die Kernzone eines Schutzgebiets gemeint sein? Die Anlagen sollen jedenfalls zur Zeit des Genehmigungsverfahrens in keinem Schutzgebiet gebaut werden. Zwar wird gerade vom BUND NRW dagegen geklagt, aber das Ergebnis steht noch aus. Da es sich bei dem in Gewahrsam genommenen Aktivisten um einen jungen Mann aus der Schweiz handelt, ist gut möglich, dass er die lokalen Gegebenheiten gar nicht kennt. Wie auch immer – den Rechtsextremen geht es um etwas Anderes:

Viel wichtiger ist ihnen die Symbolik und der Kulturkampf: Das Denkmal zu Ehren des germanischen Fürsten im Dienste der römischen Armee mit dem urdeutschen Namen Arminius, der 9 n. Chr. drei römische Legionen im Teutoburger Wald vernichtend geschlagen haben soll, wurde 1875 eingeweiht und kommt aus einer Zeit der Suche nach einer gemeinsamen nationalen Identität der Deutschen.

Die Sorge verschiedener extrem rechter Gruppierungen ist, dass neben Windkraftanlagen dieses große Denkmal weniger groß und martialisch aussieht. Sie befürchten laut Telegram-Post eine „Entweihung“ des Denkmals und damit der deutschen Geschichte.

Im Mai 2026 riefen schon die Generation Deutschland und die AfD zu einer Demonstration in Detmold auf, wo man gemeinsam mit lokalen Neonazis und der völkischen Szene vor einer „Verzwergung“ des Denkmals warnte und sich gegen den Bau der Windkraftanlagen aussprach.

Auch der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke besuchte die Region im Februar und sprach sich vor den ebenfalls mythisch verklärten Externsteinen gegen die Windkraftprojekte aus – hier allerdings zusätzlich mit der Begründung, dass die Deutschen als „Volk des Waldes“ Orte der „Versenkung“ brauchen und dubiose Eliten die Gesellschaft mit Windkraftanlagen „verwirbeln“ und „entzweien“ wollen. Schon Reichsforstmeister Hermann Göring sagte 1936 im Zuge der Veröffentlichung des NS-Propagandafilms „Ewiger Wald“: „Wir haben uns daran gewöhnt, das deutsche Volk als ewig zu sehen. Es gibt kein besseres Bild dafür als den Wald, der ewig war und ewig bleiben wird. Ewiger Wald und ewiges Volk, sie gehören zusammen."

 Über die Hintergründe zu diesen Äußerungen und der Bedeutung des Teutoburger Waldes für extrem rechte Geschichtsvorstellungen berichtete auch jüngst der Blogbeitrag vom Projekt Geschichte statt Mythen der Universität Jena in welcher über Hermannsdenkmal und Externsteine geschrieben wird: „Beide Orte gelten in der rechtsextremen Szene als besondere Wallfahrtsstätten und teilen eine lange Geschichte völkischer Vereinnahmung.“ Auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus OWL berichtete 2016 in einer Broschüre zu rechten Aktivitäten in der Region: Das »Hermannsland«, wie Ostwestfalen in der extremen Rechten oftmals bezeichnet wird, hat eine hohe Anziehungskraft auf Aktivist_innen aus ganz Deutschland, und es kommen sogar Nazis aus dem Ausland, um Externsteine, Hermannsdenkmal und nicht zuletzt die Wewelsburg zu besuchen. Hier zeigt sich: Ostwestfalen ist für die extreme Rechte eine mythisch aufgeladene Region.“

Während die Windkraftanlagen neun Kilometer entfernt vom Hermannsdenkmal errichtet werden sollen, steht direkt daneben ein Sendemast, der den Cheruskerfürsten ums Sechsfache überragt. Dieser Mast spielt in all den rechtsextremen Befürchtungen jedoch keine Rolle.

Denn nationalistische Denkmäler wie das Kyffhäuserdenkmal, das Hermannsdenkmal oder das Deutsche Eck werden von der extremen Rechte regelmäßig genutzt, um geschichtsrevisionistische Narrative zu verbreiten.

Doch gerade in Verbindung mit einem gesellschaftlich polarisierten Diskurs rund um Erneuerbare Energien und Windkraftanlagen scheint sich hier ein effektives Kulturkampffeld aufzutun. Orte nationalistischer Geschichtsschreibung werden gegen die Moderne in Stellung gebracht. Denkmäler werden gegen Windkraftanlagen ausgespielt. Im nordhessischen Reinhardswald, dem „Märchenwald“ der Gebrüder Grimm, wird ein ähnlicher Konflikt seit über zehn Jahren von AfD und ihrem Vorfeld instrumentalisiert. Auch hier handelt es sich um einen wichtigen Ort für nationalistische Mythenbildung und errang bundesweite Aufmerksamkeit.

Nun scheinen verschiedene extreme Rechte die gleiche Strategie im Teutoburger Wald anzuwenden und die Aufmerksamkeit gezielt zu nutzen, um Rassismus und Antisemitismus mit Naturschutz und Ablehnung grüner Energie zu verbinden.

Im Sinne von Demokratie, Menschenrechten und einer nachhaltigen Energiepolitik sollten sich Medien und Menschen vor Ort nicht von diesen Kräften treiben lassen und die Ziele solcher Aktionen nüchtern bewerten und einordnen – dazu helfen mobile Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus, Aufklärung & Bildungsarbeit.

Yannick Passeick (Fachreferent für Rechtsextremismusprävention und politische Bildung bei FARN)

 

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