Jump to navigation

Startseite

Suchformular

  • Über FARN
    • Presse
      • FARN in den Medien
    • Referenzen
    • Transparenz
    • Kontakt
    • Spenden
  • Angebote
    • Bildung
      • Workshop buchen!
    • Beratung
    • Qualifikation
      • Qualifikation zur FARN-Trainer*in
  • Projekte
    • Jugendverbände für Demokratie im Umweltschutz (JuDU)
      • Online-Reihe: Naturschutz ist politisch!
    • Region im Wandel (RiWa)
      • Fortbildung: Region im Wandel
    • Kritische Umweltbildung (KUBI)
      • Fachtag Mut zur Transformation November 2026
      • Online-Reihe: Kritisch.Achtsam.Transformativ.
    • FARN-Hochschulseminar
    • FARN-Hochschulumfrage
    • Archiv
      • Veränderung ist Mehr wert!
      • Regionale Netzwerke für Demokratie und Umweltschutz
      • Lernwerkstatt gegen Klimawandelleugnung und rechtsradikale Ökologie
      • Kein Blattbreit der Rechten
      • NaturSchutzRaum
  • Medien
    • Bibliothek
    • FARN-Publikationen
    • Podcast
    • Glossar
    • Downloads
      • Sharepics
  • Aktuelles
    • Newsletter
    • Nachrichten vom rechten Rand
  • Veranstaltungen

Sie sind hier

  1. Startseite

Mythos „Deutscher Wald“

27.05.2026

Über die politische Vereinnahmung von Landschaften

Der frühe Volkskundler Wilhelm Heinrich Riehl (1823-1897) verwendete oft Naturbilder, um positive Volkseigenschaften hervorzuheben. So waren Flüsse für ihn ein Symbol für das „lebendig dahinwallende Volk“. Am Beispiel des Rheins behauptete Riehl: „Geschichte, Volksleben und Natur sind in prächtiger Harmonie durch den Stromlauf mitbestimmt und verbunden.“ Landschaften waren für Riehl mehr als Metaphern. Sein gesamtes Denken war von der Klimatheorie bestimmt, das heißt, er verknüpfte bestimmte Landschaftstypen mit dem Nationalcharakter eines Volkes.

Riehl erklärte den „Deutschen Wald“ gegenüber dem englischen Park und dem französischen Feld zur typischen Nationalnatur. Durch diese Naturvergleiche sollte Deutschland auf- und andere Nationen abgewertet werden. Auch ging er davon aus, dass der Mensch von der Landschaft, in der er aufwächst, charakterlich geprägt wird. Diese Überlegungen mündeten in antijüdische Ressentiments. Dem vaterlandslosen und daher widernatürlichen (jüdischen) Kosmopolitismus stellte er das deutsche Landvolk, dem großstädtischen, jüdischen „Schacherer“ den ehrlich arbeitenden Bauern und Handwerker gegenüber.

Den Keim des Mythos „Deutscher Wald“ legte jedoch bereits der römische Geschichtsschreiber Tacitus um das Jahr 100 nach der Zeitenwende. In seiner Germania schildert er das Land östlich des Rheins als „durch seine Wälder grauenerregend“. Obwohl er das germanische Gebiet nicht aus eigener Anschauung kannte, schloss er von der rauen Umwelt und dem kargen Klima auf den Charakter der dort lebenden Völker. Laut Tacitus hätte das Walddickicht ihnen einen unschätzbaren Vorteil bei der „Schlacht im Teutoburger Wald“ gegeben. Hier besiegte Hermann der Cherusker den römischen Feldherrn Varus mit seinen drei Legionen und beendete damit die römischen Versuche, die rechtsrheinischen Gebiete Germaniens zu unterwerfen.

Die explizite Verortung der Germanen im Wald und Tacitus’ Darstellung Arminius’ als Befreier Germaniens von der Weltmacht Rom griffen Publizisten und Dichter zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Unter dem Eindruck des Endes des Heiligen Römischen Reiches 1806 und der antifranzösischen „Befreiungskriege“ von 1813 bis 1815 wurden Wald, Deutschtum und Nation auf der Suche nach kollektiver Identität miteinander verknüpft.

Die dabei transportierten antisemitischen und rassistischen Stereotype passten perfekt in die NS-Ideologie. Die vermeintlich natürliche Überlegenheit des germanischen „Waldvolkes“ gegenüber dem jüdischen „Nomaden- und Wüstenvolk“ ließ sich problemlos in die „Blut-und-Boden“-Ideologie einbetten.

Anspruch und Wirklichkeit klafften in der NS-Zeit jedoch weit auseinander: Zwar wurde die Holzwirtschaft auf Dauerwaldwirtschaft umgestellt und es sollten germanische Urwälder entstehen, doch die Kriegswirtschaft führte zu einer extensiven Abholzung der Waldbestände. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion verlagerte sich der Raubbau in die „eingegliederten Ostgebiete“. Propagandistisch wurde jedoch das Gegenteil in den Vordergrund gestellt: Dort sollte großflächig aufgeforstet werden, damit sich das „nordische und deutsche Blut“ der dort anzusiedelnden Wehrbauern in den „öden, baumlosen Kultursteppen“ halten könne. Die ansässige Bevölkerung sollte deportiert oder vernichtet werden, da den „Slawen“ jeder positive Bezug zum Wald abgesprochen wurde.

Nach 1945 trat der ‚Deutsche Wald‘ aus der offenen NS-Ideologie zurück, blieb aber als vermeintlich unpolitisches Nationalsymbol weiterhin wirksam – etwa in Heimatfilmen und Hymnenentwürfen als Mittel zur Verarbeitung von Niederlage und Neuordnung.

Die untrennbare Verbindung von Wald und Volk spielt auch heute noch in extrem rechten Kreisen eine wichtige Rolle. So widmete das neu-rechte Umweltmagazin Die Kehre im Frühjahr 2024 dem Wald einen Schwerpunkt. Chefredakteur Jonas Schick, Aktivist der Identitären Bewegung und mittlerweile beim AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer beschäftigt, hebt darin die Bedeutung des oben erwähnten Wilhelm Heinrich Riehl für die deutsche Rechte hervor. Der Wald sei „formgebender Faktor der Volksseele“ und der Liberalismus als Zerstörer dieser „Volklichkeit“ abzulehnen. Die AfD stellt Waldschutz und Klimaschutz regelmäßig gegeneinander und behauptet dabei fälschlich, Windkraftanlagen würden große Teile des Waldes vernichten.

In der Breite der Gesellschaft ist der Wald heute kein primäres Nationalsymbol mehr. Stattdessen werden an ihm Fragen von Klimawandel, Umweltproblemen, Tourismus und Wirtschaftlichkeit verhandelt. Doch manchmal blitzt die Ideengeschichte des Walds noch auf — sei es beim Eichenlaub auf Cent-Münzen oder beim Narrativ der „Deutschen Eiche“. Bei allen, auch gut gemeinten Naturbildern sollten wir uns bewusst machen: Bäume haben weder politische noch nationale Vorlieben.

Florian Teller, Referent für Kommunikation bei FARN

Hier entlang zum Waldspaziergang und weiteren Bildungsformaten

Verwandte Artikel

  • Anastasia-Bewegung - ein (un-)politisches Siedlungskonzept?

    Die Ende der Neunzigerjahre in Russland entstandene Anastasia-Bewegung verknüpft Esoterik mit ökologischen Ansätzen. Kern der Bewegung ist die Besiedlung ländlicher Räume und die Gründung von sogenannten Familienlandsitzen, deren Fokus auf der Selbstversorgung von Familien liegt. In den Büchern des...Weiterlesen
  • Argumentationsstrategien der Neuen Rechten im Kontext ökologischer Bildung

    Cover der Bachelorarbeit
    © FARN
    Bachelorarbeit von Jonas Duhme (Bielefeld, 2018) Die Bachelorarbeit untersucht die ideologischen Wurzeln des Naturschutzes in Deutschland und zeigt, dass es auch heute ratsam für Akteur*innen der Natur- und Umweltschutzverbände ist, sich mit der Thematik des Rassismus und seinen Ausprägungen im...Weiterlesen
  • Inklusiv oder exklusiv?

    Einkaufszentrum mit Text: "Geringverdienende und Arbeitslose sind die wahren Öko-Held*innen."
    © Mike Mike auf Pixabay
    Die Postwachstumsbewegung zwischen Elite und Ideal Das Ideal vom Wirtschaftswachstum geht auf die Zeit der Industrialisierung zurück, in der Entwicklung und Wachstum fast dasselbe bedeuteten: Fortschritt. Was aber geschieht in einer Gesellschaft, in der deutlich wird, dass die Ressourcen endlich...Weiterlesen
  • Tiere schützen, Menschen töten?

    ein Kinde füttert einen Affen
    © christiankarg/pixabay
    Wie der australische Philosoph Peter Singer „Euthanasie“ mit „Tierrechten“ und „Anti-Speziesismus“ verbindet Die „Tötung eines behinderten Säuglings“, behauptet der australische Philosoph Peter Singer sei „nicht moralisch gleichbedeutend mit der Tötung einer Person. Sehr oft ist sie überhaupt kein...Weiterlesen
  • Weniger Klimawandel durch weniger Menschen?

    Afrikanische Frau, Texttafel: Bevölkerungspolitik ist keine Klimaschutzmaßnahme
    © Naturfreundejugend Deutschlands
    Wer davon spricht, dass die Erde „überbevölkert“ sei, sagt damit zugleich, dass es zu viele Menschen gebe. Doch welche Menschen sind zu viel? Wer bestimmt die Kriterien dafür? Und welche Maßnahmen folgen aus einer solchen These? Die Forderung nach Bevölkerungskontrolle lässt sich wieder ...Weiterlesen
  • Rassismus und Klimawandel

    © Óglaigh na hÉireann/Flickr
    Der Widerspruch zwischen den öffentlich verlautbarten Bekenntnissen zu Klimazielen und der Realität klafft immer weiter auf. Die OECD prognostizierte 2018 eine Verdoppelung des Rohstoffverbrauchs bis 2060 von 90 auf 167 Gigatonnen ebenso wie eine Verdoppelung des CO2-Ausstoßes. [1] Gleichzeitig...Weiterlesen
  • Dasselbe in Grün: Warum Naturschutz keine neuen Kolonialherr*innen braucht

    Porträt altere Baka-Frau mit Zitat "Wir wissen, wann und wo die Wilderer im Wald sind. Aber niemand hört uns zu.“
    © Survival International
    Nur wenige Menschen auf der Welt haben eine so enge Beziehung zu Waldelefanten wie die Angehörigen der Baka, eines indigenen Volkes, das seit Generationen vom Jagen und Sammeln im Regenwald des Kongobeckens lebt. Sie unterteilen die Elefanten in mehr als 15 verschiedene Typen je nach Alter,...Weiterlesen
  • „Naturschutz ist Heimatschutz“ – völkischer Rechtsextremismus im Naturschutz

    Maibaum
    © Awaya Legends/Flickr
    Wer das eigene Leben nach ökologisch-nachhaltigen Idealen gestaltet, fühlt sich möglicherweise im „Beton der Metropolen“ unwohl und lebt lieber auf dem Land. Um das als zerstörerisch empfundene kapitalistische Wirtschaftssystem zu ertragen, isst man Bio, regional und saisonal; am besten baut frau...Weiterlesen
  • Mythos deutscher Wald

    © NF-Archiv
    Wer sich dieser Tage mit neu-rechten-Strömungen in Deutschland und Europa auseinandersetzt, kommt nicht umhin, sich auch mit der Identitären Bewegung (IB) zu beschäftigen. Die IB ist eine rechtsextreme Jugendbewegung. Ihre Ziele: sichere Grenzen, „Remigration“ und die Reinheit der Kulturen. Ihr...Weiterlesen
  • Heimat

    © Naturfreundejugend Deutschlands
    „Deine Heimat ist das Meer Deine Freunde sind die Sterne Deine Sehnsucht ist die Ferne Und nur ihnen bist du treu – ein Leben lang“ (Lolita, 1960) „Die Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung, Was sich, umwerbend, ihr gesellt; Das Haus, die Heimat, die Beschränkung, Die sind das Glück und sind die...Weiterlesen
  • Das Fremde und das Eigene

    Aufkleber der Identitären Bewegung mit der Aufschrft "Re-Migration statt Asylwahn"
    © Naturfreundejugend Deutschlands
    Neobiota: Instrumentalisierung und Verantwortung Kaum eine Debatte im Naturschutz bietet so viele Anknüpfungspunkte für rechtsextreme Ideologien wie die um das Vorhandensein von und den Umgang mit Neobiota in Deutschland. Und nirgendwo sonst ist es so schwierig für engagierte Naturschützer*innen,...Weiterlesen
  • Naturgesetz

    Frau zeigt auf am Himmel fliegenden Vogelschwarm
    © Naturfreundejugend Deutschlands
    Ein Leben im Einklang mit der Natur ist eine immer wiederkehrende Forderung in der Ökologiebewegung. Dieser Tage hört man sie wieder besonders oft. Der Klimawandel, die Ressourcenübernutzung und der Verlust von Biodiversität lassen zurecht Zweifel aufkommen am Menschen und seinem Wirken in der Welt...Weiterlesen
  • Hambacher Wald: Querfrontangebote von Rechts

    Hand hält Schild mit Text: "Wir brauchen Wald. #hambi bleibt"
    © NaturFreunde Bielefeld
    Die Auseinandersetzung um die Rodung des Hambacher Waldes stößt auch bei Rechtsextremen auf großes Interesse bis hin zu Solidaritätsbekundungen für die Aktivist*innen. Zunächst die gute Nachricht: Hambi bleibt! Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 5. Oktober 2018 über einen...Weiterlesen
  • Die Mär von der Überbevölkerung

    Straßenszene mit vielen Menschen
    © Magnus Manske/Wikimedia (CC BY-SA2.0)
    Gibt es zu viele Menschen auf der Erde? Und falls ja, wo? Lässt sich der Klimawandel überhaupt noch aufhalten, wenn wir (beziehungsweise die anderen) immer mehr werden? Diese Fragen sind alles andere als neu und doch hochaktuell. Sowohl in rechten Kreisen als auch teilweise in den Umwelt- und...Weiterlesen
  • Felix Menzel ist ein Schnabeltier

    Foto mit Yannick Noé (Arcadi), Felix Menzel (Blaue Narzisse) und Sven Kachelmann (JA-Landesvorsitzender)
    © ENDSTATION RECHTS.Bayern
    Im Juli sprach Felix Menzel, Chefredakteur des neurechten Magazins „Blaue Narzisse“, auf dem Konservatismus-Kongress der Jungen Alternativen Bayern über Europa- und Wirtschaftspolitik. Zu Beginn seines knapp einstündigen Vortrages mit dem Titel „Warum das ‚Dagegen sein‘ nicht reicht“ kritisiert...Weiterlesen
  • Wenn die „Art“ zur Ideologie wird

    Foto Wald im Nebel mit Zitat der Partei "Der III. Weg": "Ohne eine umweltfreundliche Politik ist jedes Volk in seiner Substanz gefährdet."
    © NATURFREUNDiN 2-2018/C. Barbalis/Unsplash
    Ein kleiner Überblick über Grundzüge des rechtsextremen Weltbildes Umwelt und Natur sind zentrale Elemente des rechtsextremen Weltbildes. Rechtsextreme begreifen sich als Naturschützer, zumindest was ihre ideologische Haltung und oft auch ihre Lebensweise betrifft. Die Begriffe Natur, Umweltschutz...Weiterlesen
  • Grünes Engagement von Rechts

    Foto Schlucht im Nebel mit Titel: "Grünes Engagement von Rechts"
    © NATURFREUNDiN 2-2018/Little Visuals/Pexels
    Wie die Neue Rechte den Umweltschutz als Thema entdeckte – und warum „Der Schutz der Heimat, die Erhaltung der kulturellen Vielfalt in Deutschland und Europa, und auch die Liebe zum Eigenen schließen Natur und somit den Naturschutz aus meiner Sicht automatisch ein. Das Bekenntnis zur Heimat und so...Weiterlesen
  • Presseschau: Wie Ökologie von Rechten vereinnahmt wird

    Feld und Bäume im Nebel mit Zitat aus "Umwelt & Aktiv": "Wir werden nicht länger jenen Menschen das Thema Umweltschutz und Naturschutz überlassen, denen garnichts an der Heimat liegt."
    © NATURFREUNDiN 2-2018/N. Durbaum/Unsplash
    Wochenzeitungen, Parteiorgane, Blogs: Der Umweltschutz spielt eine große Rolle Glaubt man den Medien der extrem Rechten, spielt der Schutz von Umwelt, Tieren und Ressourcen in ihrer Politik eine wichtige Rolle. Zum Beispiel, wenn es um Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat geht. Die NPD-Parteizeitung...Weiterlesen
  • Rechte Bewegungen und Agrarpolitik

    Foto von der "Wir haben es satt"-Demo 2018 mit Frontbanner und demonstrierenden Menschen
    „Wir haben es satt“-Demo formuliert klares „Nein“ gegen Rassismus Seit 2011 findet jedes Jahr im Januar in Berlin die „Wir haben es satt“-Demo statt. Bäuerinnen und Bauern, Lebensmittelhandwerker*innen, Natur-, Umwelt- und Tierschützer*innen, Aktive der Entwicklungszusammenarbeit, junge Menschen,...Weiterlesen
  • ‹ vorherige Seite
  • 5 von 5
  •  
  • Spenden
  • Workshop buchen!
  • Newsletter
  • Downloads
  • Presse
  • NaturFreunde Deutschlands
  • Naturfreundejugend

Eine gemeinsame Fachstelle der

Logo der NaturFreunde Deutschlands
Naturfreundejugend Logo

 

Logo der Initiative Transparente Zivilgesellschaft
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Transparenz
  • Presse
  • TikTok
  • Facebook
  • Mastodon
  • Bluesky
  • Instagram